Statement
Roswitha Vogl (selbstständig beratende Ausbildungsleiterin abalico)
Wachsender Markt erfordert globalisiertes Wirkungsspektrum – "Suppe vs. Haute Cuisine". „Hand- und Nagelpflege ist keine Erfindung unserer modernen Zivilisation. Im Gegenteil! Bereits im Altertum war die Pflege von Händen und Nägeln Bestandteil der frühen „Kosmetik“ und Ausdruck der Persönlichkeit. Leider neigt unsere Gesellschaft dazu, nicht das Ganze, sondern nur die von den Medien sensationell publizierten Teile für sich in Anspruch zu nehmen. Dies erklärt, warum Nail Design – als vor circa zwei Jahrzehnten die Welle der Verlängerung und Modellage der Nägel aus den USA an die Küsten Europas gelangte – nur bedeutete: lange, schrill lackierte Krallen. Und schon wurde dieser neue Zweig der Kosmetik mit dem Siegel „Rotlicht-Milieu“ gebrandmarkt. So etwas Extremes konnte doch nicht einfach dem Geschmack der Allgemeinheit entsprechen, war die landläufige Meinung. Bedauerlicherweise wurde dann auch noch zu lange versäumt, den eigentlichen Facettenreichtum des Nail Design zu vermitteln, der schließlich dem Endverbraucher signalisierte, was Hand- und Nagelkosmetik wirklich sein kann. Erst gegen Ende des Millenniums entdeckte man die Maniküre in ihrer Ganzheit neu. Im Zuge von Wellness und allumfassender Entspannung, vorbereitet durch das Cocooning in den frühen Neunzigern, stellte die Branche fest, dass es doch noch mehr als "künstliche" Nägel gibt. Durch die Verlagerung der inneren Werte, gepaart mit einem attraktiven Äußeren, wandelte sich auch die Nail- Branche. Der Druck des Marktes und des durch die Medien informierten Kunden machten es erforderlich, das Angebot zu erweitern. Denn nur knapp ein Fünftel aller Frauen und Männer ist absolut glücklich mit den naturgegebenen Fingernägeln. Das heißt nicht, dass die restlichen vier Fünftel potentielle Nagelmodellagekunden sind. Viele wünschen sich Lösungen, die jenseits künstlicher Nägel liegen.
Was hieß und heißt das heute für die Nail Design Branche?
Nicht nur geradeaus, sondern auch seitwärts blicken, neu formulieren und multikosmetisch denken. Und nicht nur davon reden. Das eigene Wissen erweitern und im Studio Dienstleistung und Pflege anbieten, die den Wünschen der Kunden entsprechen. Kurzum: dem Wettbewerb vielschichtig begegnen und Handkosmetik als lukrative Ganzheit erleben. Die Maniküre mit all ihren zahlreichen Dienstleistungs- und Verkaufsfacetten als brotlosen Nebenerwerb ins hinterste Eckchen des Studios zu bannen – das wäre wie nie über den Tellerrand hinauszuschauen und im eigenen Süppchen zu schwimmen. Hand- und Fingernagelkosmetik sind nun mal ein köstliches Menü mit feinen, exzellenten Appetithäppchen und Gängen, ein Menü, das sich nicht nur auf die Suppe beschränkt.

Roswitha Vogl
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